Dörth/Hunsrück
Von Dörth aus ins Katastrophengebiet: Feuerwehren aus den südlichen Landesteilen werden zentral in den Einsatz geschickt [3. Update]

Im Gewerbegebiet in Dörth versammelt sich eine ganze Heerschar von Feuerwehrleuten mit ihren großen Fahrzeugen und Geräten: Hier oben auf dem Hunsrück bei Emmelshausen an der A61 ist der zentrale Treffpunkt für die Feuerwehren aus dem südlichen Rheinland-Pfalz, die im Katastrophengebiet im Norden eingesetzt werden.

Unverständnis zeigten die überwiegend einheimischen Autofahrer am Mittag gegen 12.50 Uhr am Dörther Kreisel. Durch die Anmeldung der Einsatzfahrzeuge im Bereitstellungsraum kam es zu einem kleinen Rückstau, der nach rund fünf Minuten wieder aufgelöst war.

Welche kleine Unannehmlichkeit in Anbetracht der Situation in den vom Hochwasser getroffenen gebieten: „Es kann sich kein Mensch vorstellen, wie es hier in Bad Neuenahr-Ahrweiler aussieht. Wir evakuieren Menschen, die in ihren Wohnungen eingeschlossen sind und durchsuchen Wohnungen nach hilfebedürftigen Personen. Die Erdgeschosse der Häuser sind bis zur Decke mit Wasser gefüllt. Die Lage ist katastrophal“, sagt ein ehrenamtlicher Feuerwehrmann vom Mittelrhein, der bereits in der Nacht zum Donnerstag im Kreis Bad Neuenahr/Ahrweiler im Einsatz war – und der Überflutungen von diversen Hochwasserereignissen eigentlich gewöhnt ist.

Doch diese Katastrophe nimmt so noch nicht gekannte Dimensionen an. Deshalb füllt sich der Bereitstellungsplatz im Gewerbegebiet Dörth mit immer mehr Feuerwehrfahrzeugen.

Die Feuerwehren aus Bischheim und Ritterheim gehören dazu. Am zentralen Treffpunkt für die Feuerwehren aus dem südlichen Rheinland-Pfalz ist auch Zugführer Thomas Rich von der Verbandsgemeinde Kirchheimbolanden angekommen. Mit seinen Kollegen leitet er den Bereitstellungsraum, baut die notwendige Technik auf und wartet auf die Fahrzeuge aus dem südlichen Rheinland-Pfalz. Um 8.49 Uhr wurden die Kräfte aus Kirchheimbolanden für den Einsatz in Dörth alarmiert, die meisten von ihnen waren an ihrem Arbeitsplatz, den sie verlassen mussten.

Am Donnerstagnachmittag sollen hier rund 200 Feuerwehrfahrzeuge zusammenkommen, die von hier aus verteilt werden. Ein riesiges logistische Unternehmen.

Daran hatte auch der Ortsverband des Technischen Hilfswerks (THW) in Simmern Anteil, der im Kreis Ahrweiler nicht aktiv im Einsatz ist. Die ehrenamtlichen Helfer in Diensten der Bundesbehörde waren allerdings in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag damit beauftragt, die Abfahrt der Feuerwehr-Bereitschaftsmannschaften in die unterschiedlichen Katastrophengebiete zu koordinieren.

„Ein dreiköpfiger Führungstrupp des THW hat dazu einen Sammelpunkt für die Feuerwehrbereitschaft in der Nähe der Autobahn bei Dörth errichtet“, berichtet der Ortsbeauftragte des THW Simmern, Max Westermayer.

Dabei sei es vorrangig Aufgabe der Helfer in blau gewesen, alle anrückenden Feuerwehrfahrzeuge aus den verschiedensten Gemeinden des Rhein-Hunsrück-Kreises zu registrieren und die Besatzungszahlen zu erfassen. „Anschließend wurden diese Infos und die Fahrzeuge und Mannschaften an den Bereitschaftsführer der Feuerwehr übergeben“, erläutert Westermayer. Nachfolgend seien die Floriansjünger in einer Kolonne in die Katastrophengebiete gefahren. Insgesamt 125 Feuerwehrleute sind laut Westermayer bei der Aktion entsendet worden.

Die Planung der konzertierten Abfahrt der Feuerwehrkräfte war nicht die einzige Aufgabe der THW-ler aus Simmern. 14 Kräfte des Ortsverbands waren darüber hinaus am Mittwochabend und Donnerstagvormittag im Eifelkreis Bitburg-Prüm im Einsatz. „Gegen 21.45 Uhr erfolgte die THW-interne Alarmierung und danach sind die Kameraden auch schnellstmöglich abgefahren“, berichtet Westermayer. Laut dem Ortsbeauftragten wurde eine Bergungstruppe und ein Transporttrupp entsandt: „Die Kräfte wurden zur Sandsackbefüllung angefordert. Gegebenenfalls sollte der Transporttrupp auch die Verteilung übernehmen.“

[1. Update, 15.30 Uhr:] Auf der Anfahrt nach Dörth sind Einheiten aus Pirmasens und Zweibrücken, sowie der Verpflegungszug aus Ludwigshafen. Aus der Verbandsgemeinde Wörrstadt gibt es aus Saulheim Unterstützung. Die Feuerwehr Alzey, sowie die Verbandsgemeinden Wöllstein (Wendelsheim), Monsheim und Wonnegau haben Freiwillige entsendet. Viele Einsatzkräfte haben ihre Arbeitsplätze verlassen, um nach Bad Neuenahr-Ahrweiler oder Neuwied zu eilen, um dringende Hilfe zu leisten.

Die Einsatzkräfte werden im Bereitstellungsraum erfasst und an die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier gemeldet, die die Fahrzeuge einplanen und verteilen. Aus Trier erfolgt dann der Einsatzbefehl. Der Bereitstellungsraum gibt die Information an die Fahrzeuge weiter, die entweder nach Bad Neuenahr-Ahrweiler oder nach Neuwied entsandt werden.

Gegen 14.30 Uhr erhält der Bereitstellungsraum die Information, dass neben den rund 200 rheinland-pfälzischen Fahrzeugen mit Hilfskräften weitere 100 Fahrzeuge aus dem benachbarten Baden-Württemberg im Laufe des Nachmittags und Abend nach Dörth kommen werden.

[2. Update, 16.30 Uhr:] Aus dem Einsatzgebiet Bad Neuenahr-Ahrweiler zurück ist der Wasserrettungszug der DLRG-Ortsgruppe Rheinböllen, die seit Mittwochabend gemeinsam mit den DLRG-Ortsgruppen aus Boppard, Bad Salzig und Simmern im Einsatz waren. Mit drei Booten waren die Ehrenamtlichen im Einsatz, um Personen abzubergen aus den betroffenen Häusern. Abgelöst wurden sie von anderen DLRG-Ortsgruppen aus dem Westerwald, Bad Kreuznach und Birkenfeld.

Startklar zum Einsatz sind die Rettungshundestaffeln aus Bad Kreuznach, Bad Sobernheim und Lahnstein, die sich zwischenzeitlich ebenfalls in Dörth eingefunden haben.

Zu zeitlichen Verzögerungen kommt es auf der Autobahn A 61 zwischen Stromberg und Emmelshausen im Baustellenbereich, weil sich immer wieder der Verkehr staut.

Problematisch ist die Kommunikation mit den Rettungskräften in Bad Neuenahr-Ahrweiler per Mobiltelefon, das Mobilfunknetz ist vollständig überlastet.

[3. Update, 17.20 Uhr:] Derzeit staut sich der Verkehr rund um die Sammelstelle im Dörther Industriegebiet bis zur Anschlussstelle Emmelshausen der Autobahn 61. Wenn möglich, sollte diese Engstelle umfahren werden, da sich Feierabendverkehr und das Eintreffen der Rettungskräfte überschneiden.

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