ÖPNV im Kreis Birkenfeld
Nur ein Viertel der Bevölkerung ist schlecht angebunden
Der Nationalparklandkreis Birkenfeld hat vor drei Jahren sein ÖPNV-Angebot deutlich ausgeweitet und neue Busverbindungen sowie Haltestellen – wie hier am Zimmerbach in Birkenfeld – geschaffen. In einer aktuellen Greenpeace-Studie werden diese Bemühungen mit einem Top-5-Platz für die ÖPNV-Qualität in dünn besiedelten Kreisen belohnt.
Axel Munsteiner/Kreisverwaltung Birkenfeld

Auch weitere Kommunen im Gebiet des Rhein-Nahe-Verkehrsverbunds (RNN) – die Stadt Mainz und der Kreis Bad Kreuznach – haben bei der Studie sehr gut abgeschnitten. Dafür hat Greenpeace 11.000 Kommunen in Deutschland unter die Lupe genommen.

Der Nationalparklandkreis Birkenfeld verfügt für eine ländlich geprägte Region über ein überdurchschnittlich gutes Angebot im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Das ist das Ergebnis der bundesweiten Greenpeace-Studie „Abgehängt“, die vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde. Demnach liegt der BIR-Kreis in Deutschland auf Platz fünf in der Kategorie, die die ÖPNV-Qualität in „ländlich geprägten Landkreisen“ bemisst. Der Kreis Bad Kreuznach, der wie Birkenfeld ebenfalls zum Gebiet des Rhein-Nahe-Verkehrsverbunds (RNN) gehört, ist diesbezüglich sogar bundesweiter Spitzenreiter.

Dort wurde mit lediglich 15 Prozent der geringste Anteil der Bevölkerung ermittelt, der gemäß den Bewertungskriterien von Greenpeace einen sehr schlechten Zugang zum ÖPNV hat. Im Kreis Birkenfeld, der als „dünn besiedelter Landkreis“ gilt, beträgt dieser Bevölkerungsanteil 23,9 Prozent. Zum Vergleich: Bundesweit haben laut Greenpeace-Studie 52,1 Prozent der Menschen, die in „dünn besiedelten ländlichen Kreisen“ leben, einen sehr schlechten Zugang zum ÖPNV. Bei den beiden „Flop-Landkreisen“ (Greenpeace) in Deutschland, den Kreisen Leer in Niedersachsen und Straubing-Bogen in Bayern, sind es sogar 86,7 beziehungsweise 86,5 Prozent.

Deutliches Stand-Land-Gefälle in ganz Deutschland

Insgesamt hat das auf Verkehrsplanung spezialisierte Münchner Büro Plan4better im Auftrag von Greenpeace 11.000 Gemeinden in Deutschland für die Studie unter die Lupe genommen und deren aktuelle ÖPNV-Fahrplandaten für das Jahr 2025 analysiert. Danach wurde ermittelt, wie viele Menschen Zugang zum ÖPNV einer definierten Güteklasse (A bis F) haben. Gradmesser für die ÖPNV-Qualität und dessen Verfügbarkeit ist dabei laut der Studie eine Kombination aus drei Merkmalen: Nähe zu einer Haltestelle, Art des Verkehrsmittels und Häufigkeit der Abfahrten.

Der generelle und wenig überraschende Befund der Greenpeace-Studie besteht darin, dass das ÖPNV-Angebot durch ein deutliches Stand-Land-Gefälle geprägt ist. In kreisfreien Großstädten ist demnach das ÖPNV-Angebot für rund 78 Prozent der Bevölkerung sehr gut oder gut (Güteklassen A und B). In dünn besiedelten Landkreisen trifft das nur auf 11 Prozent der Einwohner zu.

In Mainz ist niemand abgehängt

Umgekehrt haben in kreisfreien Großstädten nur 1,3 Prozent der Bevölkerung einen sehr schlechten Zugang zum ÖPNV (Güteklassen E, F oder noch unzureichender, sodass keine Kategorisierung möglich war). In der ebenfalls im RNN-Gebiet liegenden rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz gibt es laut Studie sogar überhaupt keine Einwohner (0,0 Prozent), die als vom ÖPNV abgehängt gelten. Das ist in der Bundesrepublik Platz 1 in der Rangliste der kreisfreien Städte.

Insgesamt haben aber laut Studie 26,3 Prozent der Deutschen – das sind bundesweit rund 21,2 Millionen Menschen – einen schlechten Zugang zu einem ÖPNV-Angebot. In dünn besiedelten Landkreisen sieht die Situation noch negativer aus. In der Studie wird – wie oben bereits erwähnt – attestiert, dass in solchen Regionen mehr als die Hälfte der Bevölkerung (52,1 Prozent) vom ÖPNV abgehängt ist. Der durchschnittliche Gütewert in diesen Landkreisen wird mit 4,6 (Güteklasse A = 1 und keine Güteklasse = 7) angegeben.

„Aber Stadt ist nicht gleich Stadt und Dorf nicht gleich Dorf. Auch Regionen mit ähnlicher Siedlungsdichte weisen sehr unterschiedliche ÖPNV-Qualitäten auf“, betont Greenpeace in der aktuellen Studie. Der Nationalparklandkreis Birkenfeld zählt daher laut Studie mit Platz 5 im Ranking, einem Anteil von nur 23,9 Prozent der abgehängten Bevölkerung und einem Gütewert von 3,6 zu den bundesweiten Positivbeispielen für den ÖPNV in einem ländlich geprägten Kreis.

Stadtverkehr Idar-Oberstein besonders gut ausgelastet

Ausschlaggebende Bedeutung hat dafür die Ausweitung des ÖPNV-Angebots im Nationalparklandkreis Birkenfeld, die seit 1. August 2022 im Vergleich zur Situation vorher eine Verdreifachung der Busleistungen zur Folge hatte. In diesem Zusammenhang wurden unter anderem der Stadtbusverkehr in Idar-Oberstein vom Kreis übernommen und neue überregionale Linien eingeführt, die seitdem zum Beispiel Idar-Oberstein mit Trier (RNN-Linie 800) beziehungsweise Wittlich (RNN-Linie 840) verbinden.

Erst vor wenigen Wochen hatten Verantwortliche der RNN im Kreistag Birkenfeld die Ergebnisse einer Fahrgastzählung im September 2024 vorgestellt, wonach im Vergleich zu einer ersten Erhebung im November 2023 bei drei Vierteln der ländlichen Verbindungen Steigerungen der Passagierzahlen von bis zu 56 Prozent ermittelt wurden.

Im Stadtverkehr Idar-Oberstein sind aktuell wochentags die Linien 802 (Bahnhof-Göttschied-Obere Lay-Alexanderplatz) mit durchschnittlich 1386 Fahrgästen pro Tag sowie die Linie 801 (Vollmersbachtal-Bahnhof-Weierbach/Kirchenbollenbach) mit durchschnittlich 1235 Fahrgästen pro Tag die Spitzenreiter. Bei den Regionalbussen liegt wochentags die Linie 830 (Heimbach-Neubrücke-Birkenfeld-Niederbrombach-Idar-Oberstein) mit durchschnittlich 754 Fahrgästen pro Tag auf Rang 1. Samstags ist die Linie 800 nach Trier mit durchschnittlich 412 Fahrgästen besonders beliebt.

Die vollständige Greenpeace-ÖPNV-Studie ist online verfügbar unter https://www.greenpeace.de/publikationen/abgehaengt-oepnv-qualitaet-in-deutschland

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