Am frühen Abend hörten die Anwohner im Grafschaft-Ort Beller einen lauten Knall. Neben der Autobahnbrücke durch den Ort war eine Stützmauer aus dem Verbund gebrochen und auf eine Garage gekippt. In der Garage war zu dem Zeitpunkt niemand, aber der Schrecken bei den Anwohnern: riesig! „Ich habe gedacht, dass die ganze Autobahn jetzt runtersackt“, schildert eine direkte Nachbarin der Beller Hauptstraße. Und tatsächlich war das zunächst die Vermutung der Einsatzkräfte. Sie sperrten die A61 zwischen dem Kreuz Meckenheim und dem Dreieck Bad Neuenahr in Richtung Koblenz sofort ab. Kein Weiterkommen mehr über Stunden.
Autofahrer steckten fest
„Wir stehen hier seit vier Stunden auf der Autobahn, es regnet, man kann nicht raus – einfach unerträglich“, sagt Thorsten Groß, der aus Krefeld in den Urlaub starten wollte. Auf der Autobahn stiegen dennoch Menschen aus, gingen mit dem Hund umher. Doch die A61 blieb weiter gesperrt.
Parallel in Bell untersuchen Experten des Technischen Hilfswerks die umgekippte Stützmauer und die nebenliegenden. Sie klemmen Sensoren daran und lassen testweise Autos über die Straße fahren. Schlägt die Kurve aus, besteht Gefahr, dass sich der Untergrund bewegt. Diese Tests führen die Experten die ganze Nacht durch. Sie haben sich dafür in jener Garage einquartiert, die direkt hinter der Stützmauer liegt.
An der umgekippten Wand fräsen Experten zu Mitternacht tief ins Erdreich, um Wasser herauszupumpen, um so den Druck aus dem Untergrund zu nehmen. Ob es was bringt, werden die nächsten Stunden zeigen.
Autobahn vorerst gesperrt
Nach Angaben des Leiters der Straßenmeisterei Mendig, Drazan Bunoza, bleibt die Autobahn vorerst gesperrt; eventuell kann am Morgen wieder eine Spur freigegeben werden. „Wenn wir im Berufsverkehr diese wichtige Straße komplett sperren, haben wir doppeltes Chaos“. Aber dennoch kann es passieren, wenn der Boden weiter so weich bleibt und der Regen nicht nachlässt.
Zwischenzeitlich staute sich der Verkehr auf der A61 über zehn Kilometer. Die Umleitung führt weiträumig über Bonn und die A3 in Richtung Süden. Für viele Autofahrer und Trucker war es eine Nacht auf der Autobahn, denn die Umleitungsstrecken waren durch das Unwetter teilweise nicht befahrbar.