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Musikbranche beklagt Einbußen durch Datenstandard MP3

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Komprimierte Klangkaskaden

Berlin - Das Internet swingt. Beflügelt durch den Datenübertragungsstandard MP3 rauschen täglich Hundertausende oder gar Millionen von Musikstücken durch das weltumspannende Datennetz. Woher und wohin, ob legal oder illegal - niemand weiß es so genau.

Allein der deutschen Musikindustrie dürften nach eigener Berechnung in diesem Jahr an die 40 Millionen Mark durch Raubkopien aus dem Internet verloren gehen. Hektisch versucht die Branche, einen sicheren Standard für die Übertragung der Klangpakete durchzusetzen, bislang jedoch mit zweifelhaftem Erfolg. Längst setzten auch die großen Gerätehersteller mit eigenen MP3-Playern auf den Trend, der sich offenkundig nicht mehr aufhalten lässt. Auf der Internationalen Funkausstellung (Ifa) in Berlin wurden gleich mehrere neue Abspielgeräte für MP3-Musikstücke vorgestellt.

Guter Klang bei starker Kompression

 Weiterführende Links 

MP3-Player WinAmp

MP3-Player Sonique

MP3-Archiv

Audiofind

Lycos MP3-Sucher

MP3-WebRadios

Entscheidender Vorteil des MP3-Formats ist, dass Musik im Vergleich zu anderen Verfahren relativ schnell zu übertragen ist. Mit einem guten Modem oder ISDN-Anschluß kann ein MP3-Song in ungefähr vier bis fünf Minuten aus dem Internet geladen werden. Als herkömmliche Audio-Datei würde der Ladevorgang rund zehnmal so lange dauern. Bei MP3 sorgt ein spezielles Reduktionsverfahren dafür, dass mit der Datenmenge nicht auch die Klangqualität schwindet. So werden etwa sehr leise Töne, die das menschliche Ohr ohnehin nicht mehr wahrnehmen könnte, aus dem Musikstück herausgefiltert.

MP3-Angebot boomt

Tag um Tag wächst derzeit im Internet das Angebot an Musikstücken im MP3-Format. Nach dem Herunterladen lässt sich ein MP3-Song mit der entsprechenden Software auf dem heimischen PC sofort anhören. Von dort ist es ein Leichtes, die komprimierten Klangkaskaden mittels CD-Brenner auf einen festen Tonträger zu bannen. Außerdem können die Stücke im MP3-Format direkt in ein mobiles Abspielgerät kopiert werden.

Kein Verbot von Playern

In der einfachen Kopierbarkeit sieht die Musikindustrie die große Gefahr des MP3-Standards. In den USA versuchte die Branche zunächst sogar, den tragbaren MP3-Player Rio des Herstellers Diamond Multimedia gerichtlich verbieten zu lassen, blitzte im Juni aber auch in letzter Instanz ab.

Abschreckung

Die Industrie setzt jetzt vor allem auf Abschreckung. So werden in Deutschland brancheneigene Fahndungsgruppen eingesetzt, die Raubkopien im Internet aufspüren sollen. Nach Angaben des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft in Hamburg wurden durch die Internet-Cops im vergangenen Jahr bereits rund hundert Websites mit illegalen Inhalten bei deutschen Providern geschlossen. Aber nicht jeder Internet-Dienstleister ist greifbar: "Ein Server in der Ukraine ist natürlich schwer justiziabel", räumt Bundesverbandsexperte Dietmar Schlumbohm ein.

Markt-Einstieg

Nach einigem Zögern steigen nun auch große Elektronikkonzerne in den zukunftsträchtigen Markt mit der Internet-Musik ein. Zur Ifa präsentierte Grundig in Zusammenarbeit mit Pontis erstmals einen mobilen MP3-Player. Philips und Sanyo kündigten an, Anfang kommenden Jahres ein eigenes Abspielgerät anzubieten. Der Walkman-Erfinder Sony tut sich dagegen noch schwer mit den kleinen Musikspielern. Da der Konzern nicht nur Geräte herstellt, sondern auch Musikrechte vertreibt, fürchtet Sony, sich mit einem MP3-Player ins eigene Fleisch zu schneiden.

Microsoft-Kopierschutz geknackt

Neue Hoffnung bei der Musikindustrie weckt das Projekt Secure Digital Music Initiative (SDMI), ein internationaler Zusammenschluss von 120 Musikverlagen und Geräteherstellern. Die Gruppe einigte sich jüngst auf ein Verfahren, dass durch eine Art digitales Wasserzeichen illegal kopierte Musikstücke erkennbar machen soll. Doch selbst die Hersteller zweifeln daran, dass der Schutz Bestand haben wird: "Jeder Kopierschutz ist letztlich zu umgehen", sagt Grundig-Sprecher Dieter Kreisle.

Diese Erfahrung musste jüngst auch der Sofwareriese Microsoft mit seinem angeblich sicheren Musik-Komprimierungsstandard Windows Media Audio (WMA) machen. Es dauerte nur wenige Tage, bis findige Hacker den Kopierschutz knackten und für Normalanwender auch noch gleich ein Programm namens "Unfuck.exe" ins Netz stellten, dass die Software-Sperre einfach aufhebt.

Martin Trauth, AFP - Grafik: Red.

Geändert am 21. September 1999 15:11 von mwege
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