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Telekom feuert Statistik-Chef:

"Wir haben uns total verrechnet!"

Bald kostenlose Ortsgespräche führen?


Der falsche Dr. Dr. Postel alias Gert Bartholdy (links, noch unentdeckt) auf der Cebit 99 bei der Bekanntgabe der neuen Telefontarife.

Berlin - Bei der Deutschen Telekom AG flogen in der vergangenen Nacht die Fetzen: Bei einer Routineüberprüfung bemerkte die Innenrevision, daß der Hauptabteilungsleiter Statistik, Dr. Dr. Postel, nicht nur beide Doktortitel erschwindelt hatte, sondern den Vorstand seit Jahren vorsätzlich in die Irre geführt hatte.

"Wir sind erschüttert", reagierte Vorstandsprecher Fred Winter, "immerhin war eine von Postels wichtigsten Aufgaben die Beratung des Vorstandes bei der Tarifgestaltung". Deshalb hatten die Telekom-Verantwortlichen auch erst nach der Enttarnung des falschen Doktors gestern nacht den Widerspruch bei den neuen Ortsgespräch-Tarifen bemerkt.

"Es fiel uns wie Schuppen aus den Haaren", so Winter, "eine Veränderung von drei auf vier Pfennig pro Minute bedeutet gar keine Preissenkung, wie wir ursprünglich angenommen hatten. Wir haben uns total verrechnet!"


Mathematiker entdeckten das Problem

Die Deutsche Telekom hatte erst vor wenigen Tagen auf der Cebit die vermeintliche Preissenkung bei nächtlichen Ortsgesprächen auf vier Pfennig pro Minute angekündigt (RZ-Online berichtete). Erst nachdem die Innenrevision eiligst die Unternehmensberatung Ronald & Bergner mit einer Analyse beauftragt hatte, fanden deren Mathematiker heraus, daß dies gegenüber den heutigen Tarifen eine 33%ige Preiserhöhung bedeuten hätte. Zur Zeit kosten Ortsgespräche zwischen 21 und 5 Uhr 12 Pfennig im Vier-Minutentakt, also umgerechnet drei Pfennig pro Minute.

Besonders peinlich ist das dem Branchenführer allerdings nicht: "Welcher Vorstand hat schon eine Ausbildung im Höheren Dreisatz?", gibt Winter zu bedenken. Er gesteht aber zu, daß der neue Tarif ärgerliche Mehrkosten bei den Telefonkunden verursacht hätte. Insbesondere, weil nachts die durchschnittliche Gesprächsdauer weit über der am Tag üblichen liegt und vor allem die Internetsurfer lange Verbindungen aufrechterhalten.

Joker aus dem Ärmel gezogen

Zur Entschädigung der Kunden ziehe die Telekom, so ihr Sprecher, nun einen Joker, der ursprünglich erst für April 2000 vorgesehen war: "Ortsgespräche werden kostenlos." Das sei insbesondere für Internet-Surfer interessant. Gegenfinanziert werden sollen die Milliarden-Kosten durch akkustische Werbe-Einspielungen bei Gesprächen, die länger als zehn Minuten dauern. Nur die ausstehende Genehmigung der Regulierungsbehörde stehe dem ungehemmten Surfen noch gegen.

Weitere Einzelheiten will die Telekom am heutigen Donnerstag auf einer Pressekonferenz bekanntgeben. Fortsetzung

Ril; Foto: AP

Geändert am 1. April 01:11 von aj/jo
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