IVWPixel Zählpixel
  • Stichwort: Nordirland
  • Stichwort: Irland
  • Dublin erwartet Zustimmung
  • Wichtige Punkte des Abkommens
  • Chronologie: 3600 Tote und 40.000 Verletzte in drei Jahrzehnten
  • Friedensplan nach 300 Jahren Nordirland-Konflikt

    Die Meßlatte liegt hoch

    Die Bevölkerung stimmt am 22. Mai über das Abkommen ab

    Belfast - Nach 300 Jahren Konflikt zwischen pro-britischen Protestanten und pro-irischen Katholiken liegt in Nordirland die Meßlatte für den Frieden hoch. Bei der Volksbefragung über den Friedensplan am Freitag, 22. Mai, reicht in den nördlichsten Grafschaften der irischen Insel eine knappe Mehrheit als Zustimmung kaum noch aus.

    Auf einem Luftballon verkünden Patrick (l.) und Alexander am 09. April 1998 ihren Wunsch nach Frieden, während im Belfaster Stormont Castle auf politischer Ebene Friedensverhandlungen geführt werden.

    Erst wenn das "Ja" von mehr als 60 Prozent der Wähler getragen würde, könnte man davon ausgehen, daß die protestantische Bevölkerungsmehrheit das am Karfreitag in Belfast ausgearbeitete Abkommen nicht ablehnt. Nach jüngsten Umfragen muß sich noch einiges ändern, damit dieses Ziel erreicht wird.

    Unter den Katholiken in Nordirland zeichnet sich deutlich Zustimmung ab. Die IRA-Partei Sinn Fein von Gerry Adams hat sich ebenso dafür eingesetzt wie die sozialdemokratische SDLP von John Hume und die eher überkonfessionelle Allianz-Partei von Lord Alderdice. Für die im Abkommen festgeschriebene künftige Teilung der Macht zwischen katholischer Minderheit und protestantischer Mehrheit wäre es verhängnisvoll, wenn gerade bei der größeren Gruppe die Abneigung überwiegen würde. Deshalb setzt Premierminister Tony Blair erneut sein hohes Ansehen unter den Protestanten bei einer Werbereise für ein überzeugendes "Ja" ein.

    Blair: "Laßt die Vergangenheit hinter euch"

    Sein Appell wird von US-Präsident Bill Clinton, der konservativen Opposition im Londoner Unterhaus und den gemäßigten Politikern der nordirischen Protestanten unterstützt: Dies sei die beste Friedenschance unserer Generation und eine Versicherung für Selbstbestimmung. Wie der prominenteste Unionistenführer und Befürworter des Abkommens, David Trimble von den Ulster Unionisten (UUP), mahnt Blair die Protestanten: "Überwindet endlich die Angst und laßt die Vergangenheit hinter euch."

    "Wenn die Unionisten dem Kompromiß nicht zustimmen, haben sie wohl ihre letzte Chance verspielt, ihre Zukunft mitzugestalten", meint Paul Bew, prominenter Historiker von der Queen's University in Belfast. Schließlich ist in dem Vertrag festgeschrieben, was sie immer forderten: die Garantie, daß die Bevölkerung Nordirlands über ihr Schicksal selbst entscheidet. Die traumatisch gefürchtete Auslieferung ihrer Rechte an die benachbarte Republik Irland ist bei Annahme des Vertrags ausgeschlossen, solange die Protestanten in Nordirland die Mehrheit stellen. Dies dürfte nach demographischen Schätzungen noch auf Jahrzehnte hinaus der Fall sein.

    IRA soll per Gesetz abrüsten

    Ein Auto brennt nach einem Protestmarsch der "Protestant loyalist Apprentice Boys" durch die nordirische Stadt Londonderry am 13. Dezember 1997.

    Blair will den Protestanten auch die Angst nehmen, daß die katholische Untergrundorganisation IRA wieder mit Terroranschlägen beginnen könne, falls ihnen die Politik nicht mehr behagen sollte. Er kündigte Gesetze an, die ihre Abrüstung gesetzlich verankern sollen. Und er versicherte, daß inhaftierte Häftlinge erst freikommen sollen, wenn Waffen- und Sprengstofflager geräumt werden. Wer zudem bisher mit Bomben und Gewehren "argumentiert" hat, soll auch nicht in den demokratischen Gremien Führungspositionen übernehmen können, versichert der britische Regierungschef.

    "Oranier-Orden" zieht gegen das Abkommen zu Felde

    Trotz dieser Zusagen ziehen der in Protestanten-Tradition verhaftete "Oranier-Orden" mit seinem pseudo-religiösen Auftreten sowie Extremisten unter Unionisten und vergangenheitsorientierten Loyalisten vehement gegen das Abkommen zu Felde. Die Gegner des Friedensabkommens fühlten sich im Aufwind, berichtete die britische Presse der letzten Tage. "Der Friedensprozeß benötigt wieder einmal in letzter Minute Erlösung von denen, die ihn tot wünschen", schilderte der "Independent" am Montag.

    Weiter Weg bis zur Normalisierung

    Wenn dennoch der Plan mit möglichst wenig Gegenstimmen angenommen wird, kann im Juni die Wahl der Mitglieder für die neue Regionalversammlung in Belfast und die daraus entstehende Verwaltung stattfinden. Dieses Organ der Zusammenarbeit soll auch für den Nord- Süd-Rat mit seinen grenzüberschreitenden Befugnissen in Irland und Nordirland zuständig sein. Welch weiter Weg bis zur Normalisierung noch zurückgelegt werden muß, zeigt sich darin, daß die katholische Sinn Fein und die protestantischen Ulster Unionisten (UUP) noch immer kein Wort miteinander reden, obwohl beide für die Zusammenarbeit werben. Von Edgar Denter (dpa) - Fotos: dpa
    Letzte Änderung: 20.05.1998 00:23 von aj
    Navigations-Seite: RZ-Online auf einen Blick Homepage des Tages Nachrichten aus aller Welt Newsticker mit dpa-Kurzmeldungen Aktuelle Wetter-Vorhersage Haitzinger-Karikatur Leserbrief schreiben Zur aktuellen Homepage Navigations-Seite: Alles auf einen Blick Zum Anfang dieser Seite und zu weiteren Links Leserbrief schreiben Zur aktuellen Homepage