|
Ernst Jünger gestorbenSchriftsteller starb im Alter von 102 Jahren in WilfingenWilfingen (dpa) - Der Schriftsteller Ernst Jünger, dessen Werk wie kaum ein anderes in diesem Jahrhundert in Deutschland gleichzeitig Verehrung wie Ablehnung erfahren hat, ist tot. Er starb am Dienstag im Alter von 102 Jahren gestorben, teilte die Kreisverwaltung Biberach mit. Der Autor hatte seit mehr als 40 Jahren zurückgezogen in Wilfingen gelebt.
Heftiges Für und WiderGegen Jünger wurde auch der Vorwurf erhoben, er habe in politischen Aufsätzen vor 1933 als Wegbereiter des Nationalsozialismus gewirkt. In der Öffentlichkeit war der Autor bis ins hohe Alter immer wieder von heftigem Für und Wider begleitet. So etwa gab es lautstarke Proteste, als er 1982 mit dem Frankfurter Goethe-Preis geehrt wurde. Als er am 29. März 1995 seinen hundertsten Geburtstag feierte, wurde ein Großteil dieser Kritik von neuem artikuliert. Doch zollte man dem geistig frischen und auch körperlich rüstigen alten Mann auch Respekt, zumal Jünger auch Distanz zu Äußerungen seiner jungen Jahre gezeigt hatte. Dabei wurde an seine Weigerung erinnert, sich von den Nationalsozialisten vereinnahmen zu lassen.Besonderes Prestige genoß der Schriftsteller nach dem Zweiten Weltkrieg in Frankreich, mit dessen Kultur er sich auch selbst eng verbunden fühlte. Der französische Staatspräsident Francois Mitterand besuchte den von ihm persönlich hoch geschätzten Autor zweimal, 1985 und 1993, in dessen oberschwäbischem Wohnort Wilflingen. Als Hundertjähriger erhielt Jünger die Ehrendoktorwürde der spanischen Universität Madrid-Alcala.
Vierzehnmal verwundetFür Jünger, 1895 als Sohn eines Apothekers in Heidelberg geboren, war in besonderem Maße der Erste Weltkrieg prägend. Er wurde vierzehnmal verwundet und mit dem höchsten preußischen Kriegsorden, dem Pour le merite, ausgezeichnet. Er war schließlich dessen letzter Träger. Außer in "Stahlgewittern" hat er sein Kriegserlebnis in Frankreich auch in "Der Kampf als inneres Erlebnis" (1922) sowie "Feuer und Blut" und "Das Wäldchen 125" (beide 1925) verarbeitet. Als Gegner des Nationalsozialismus zeigte er sich in seiner Erzählung "Auf den Marmorklippen" (1939), einer gleichnishaften Schilderung von Herrschaft und Gewalt, die sofort weitgehend als verhüllte Kritik am Regime aufgefaßt wurde.
Als "dienstuntauglich" entlassenAm Zweiten Weltkrieg nahm Jünger als Hauptmann im Stab des Wehrmachtbefehlshabers in Frankreich, General Karl-Heinrich von Stülpnagel, teil. Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde er wegen seiner Verbindung zu Stülpnagel als "dienstuntauglich" entlassen. Trotzdem verhängten die Alllierten nach dem Krieg ein vierjähriges Publikationsverbot über ihn. 1949 erschienen dann die Tagebuchaufzeichnungen "Strahlungen", deren zwei Bände zu den besten Werken des scharf beobachtenden Autors gerechnet werden.
Eigene Versuche mit RauschmittelnDie Rolle des einzelnen in der Gesellschaft, die Entwicklung der Staatengemeinschaft, der Mensch im Verhältnis zu Fortschritt und Technik sind Themen, mit denen sich Jünger immer wieder in seinem späteren Werk ("An der Zeitmauer", "Der Weltstaat") befaßt hat. Besonderes Aufsehen erregte sein 1970 veröffentlichtes Buch "Annäherungen. Drogen und Rausch", in dem er von eigenen Versuchen mit Rauschmitteln berichtet. 1980 erschien der erste Band seiner Alterstagebücher "Siebzig verweht". Fünfzehn Jahre später war mit den Jahren 1986-1990 der vierte Teil erreicht. Archivfoto: dpa | |
| Letzte Änderung: 18.02.1998 13:43 von aj |