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Frühere Ausbaupläne scheiterten am Geld

Mainz Pläne zu einem touristischen Ausbau am Nürburgring gab es schon lange vor dem heute so skandal-umwitterten Bau des „Nürburgring 2009“.

Das hat die erste Zeugenvernehmung im Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der spektakulär gescheiterten Privatfinanzierung für das mehr als 300 Millionen Euro teuren Freizeit- und Geschäftszentrum an der Eifelstrecke gezeigt.

Frühere Ausbaupläne am Nürburgring unter dem Stichwort „Motorland“ sind zu Beginn der 1990er-Jahre wegen fehlender privater Sponsoren gescheitert. Das hat der ehemalige Staatssekretär im Wirtschaftsministerium der damals schwarz-gelben Landesregierung in Rheinland-Pfalz und Aufsichtsratsvorsitzende der Ring GmbH, Franz Peter Basten (CDU), dem Untersuchungsausschuss „Nürburgring 2009“ bestätigt. Die Lage der zu 90 Prozent dem Land gehörenden Ring GmbH war schon damals nicht besonders rosig, sagte Basten. „Bernie Ecclestone wollte uns die Formel eins nicht geben“ – und wenn, dann beanspruchte Ecclestone die gesamten Werberechte am Ring für sich.

In dieser Situation sei die Frage aufgekommen, ob man am Ring „nicht mehr machen könnte als Autofahren“. Der damalige Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) gab die Parole aus: „Macht mal, aber es darf das Land nichts kosten.“ Die Umsetzung eines Konzepts von dem bekannten Filmarchitekten Rolf Zehetbauer (auch Ausstatter des Films „Das Boot“) sollte mehr als 500 Millionen Mark kosten. Der hinzugezogenen Wirtschaftsberater McKinsey befand: „Wenn ihr 100 Millionen Mark Sponsorengelder bekommt, dann rechnet sich die Sache.“ Die Ring GmbH habe auch schon Kontakte zum Reifenhersteller Michelin und zum Erdölkonzern Shell aufgenommen. Doch als es um feste Zusagen ging, blieben die Gelder aus. „Damit war für uns die Sache tot“, so Basten. „Wenn die Privaten nicht draufspringen, werden sie Gründe haben und dann gibt es auch für das Land nicht die Möglichkeit einzusteigen.“

Auf Nachfrage der SPD bestätigte Basten, dass das „Motorland“ eine bedeutsame strukturpolitische Maßnahme für die Region hätte sein können. Der Kreis Bad Neuenahr als zehnprozentiger Gesellschafter der Ring GmbH war unmittelbar beteiligt und die Einstellung der Kommunen sei durchweg positiv gewesen. Dagegen erinnerte sich Bastens Nachfolger als Aufsichtsratsvorsitzender, der frühere Wirtschaftsstaatssekretär Ernst Eggers (FDP), durchaus an gemischte Reaktionen aus der Region: Kritik sei aus den Reihen von SPD und Grünen gekommen sowie aus der Bevölkerung. „Viele, die dort seit Generationen lebten, konnten sich mit dem Projekt nicht anfreunden.“ Die Kommunen als ganze hätten sich aber „eher zurückgehalten“, denn Investitionen für die Region wurden grundsätzlich begrüßt.

Für die SPD, die auf die Mitverantwortung der früheren Regierung und fast aller Fraktionen für strukturpolitische Ausbaupläne am Ring belegen wollte, erinnerte Obmann Clemens Hoch an eine Arbeitsgruppe: Unter Bastens Leitung sollte sie nach dem Abschied von „Motorland“ über neue Konzepte nachgedacht werden. Barbara Schleicher-Rothmund (SPD) konfrontierte Basten mit einem Aktenvermerk, wonach es schon damals erste Überlegungen für einen eher allgemein-touristischen „Every-day“-Freizeitpark zusätzlich zum reinen Rennsport-Thema gegeben habe. Basten gab jedoch an, sich an beides nicht mehr erinnern zu können.

Keineswegs erledigt waren Pläne zum Ring-Ausbau für den früheren Staatskanzleichef der ersten SPD-geführten Landesregierung Karl-Heinz Klär (62), von 1991 bis 1994 auch Mitglied des Ring-Aufsichtsrates. „Motorland“ sei zwar ein Konzept, noch kein konkretes Vorhaben gewesen. Aber Klär berichtete von Überlegungen, am Ring Attraktionen oder gar „so etwas wie ein Disneyland“ zu etablieren, um „den Spaß, den man am Motorsport hat“ für ein breiteres Publikum zu erweitern. Dazu zählten unter anderem der Truck Grand Prix und verschiedene Ansiedlungsprojekte. Die Kooperationsbereitschaft in der Region sei sehr groß gewesen, weil klar war: Der Landesnorden hatte damals nur die „Marken“ Mittelrhein, Deutsches Eck und Nürburgring.

Diese Bemühungen seien bis zu seinem Ausscheiden aus dem Aufsichtsrat Ende 1994 nicht abgeschlossen, aber auch nicht beiseite gelegt worden. Sagte Klär. Dass ein größerer touristischer Ausbau damals nicht realisiert wurde, „hatte zentral damit zu tun, dass sich in diesem Jahr die Perspektive auftat, die Formel eins zurückzugewinnen“ - und zwar mit dem aufsteigenden Stern am deutschen Fahrerhimmel, Michael Schumacher. Darauf hätten sich die finanziellen Anstrengungen der GmbH, deren Finanzlage damals „nicht günstig“ gewesen sei, konzentriert.

Von der CDU zu der Entscheidung für den heute umstrittenen Hauptgeschäftsführer der Nürburgring GmbH, Walter Kafitz, Ende 1993 befragt, sagte Klär, Kafitz sei unter mehreren Bewerbern der überzeugendste gewesen. Auf seinen Vorgänger Rainer Mertel, einen ausgewiesenen Verwaltungsfachmann aus dem Ministerium, sollte ab 1994 ein Manager folgen. Er habe Kafitz vorher nicht gekannt, aber anhand der Bewerbungsunterlagen und in zwei bis drei persönlichen Gesprächen den Eindruck gewonnen, dass Kafitz Charakterstärke und Durchsetzungsfähigkeit besitze, so Klär. Die endgültige Entscheidung sei Ende 1993 in der Staatskanzlei gefallen. Dagegen sagte der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Eggers, der Aufsichtsrat habe die Personalentscheidung getroffen. Er habe allerdings von einer „Einflussnahme“ gehört, so Eggers, wollte aber nicht deutlicher werden.

Erste Überlegungen für den „Nürburgring 2009“ entstanden nach seinen Angaben um das Jahr 2000. Zusätzliche Einnahmen sollten die steigenden Verluste aus den immer teurer werdenden Formel-Eins-Veranstaltungen ausgleichen. Nach langer Pause fanden seit 1995 zwar wieder Formel Eins-Rennen am Ring statt; doch ausgehend von einem Startgeld von 3,5 Millionen Euro habe Ecclestone jedes Jahr zehn Prozent mehr verlangt. Gleichzeitig nahm das Besucherinteresse wieder ab, die Anhebung der Kartenpreise war ausgereizt und hätte noch mehr Besucher gekostet. Die damals existierende „Erlebniswelt“ mit Motorsportmuseum „war kein wirtschaftlicher Erfolg“, so Eggers. Sie schrieb immer rote Zahlen. „Das interessierte den Motorsport-Fan, aber kaum Otto Normalverbraucher“. Eigentlich hätte man die Formel eins „aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten aufgeben müssen“, sagte Eggers. Wollte man aber an ihr festhalten, brauchte man eine zusätzliche Einnahme, um das Defizit abzufedern. Für das Projekt „Nürburgring 2009“ war das „der entscheidende Hintergrund“. (Claudia Renner)

RZO



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