Ivanschitz spielt mit Wut im Bauch
Mainz Die Nachricht aus Österreich kam nicht unerwartet. Einen Tag vor dem Bundesliga-Heimspiel des FSV Mainz 05 gegen den 1. FC Nürnberg fehlte Andreas Ivanschitz erneut im aktuellen Aufgebot seines Nationaltrainers Didi Constantini für das Länderspiel der Alpenrepublik gegen Spanien.
Die Nachricht kam im Grunde nicht unerwartet, doch Andreas Ivanschitz war dennoch leicht überrascht. "Ich bin schon enttäuscht. Auch wenn ich das Länderspiel schon abgehakt hatte, hatte ich doch geglaubt, dass gute Leistungen auch honoriert werden", kommentierte der Torjäger des FSV Mainz 05 den jüngsten Akt der unendlichen Geschichte in Sachen Nationalmannschaftsberufung. Einen Tag vor dem Bundesliga-Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg (Samstag, 15.30 Uhr) am Bruchweg erfuhr der frühere Teamkapitän, dass Österreichs Nationaltrainer Didi Constantini auch im Länderspiel gegen Spanien am 18. November auf den Mainzer Topmann verzichtet.
Die Medien in der Alpenrepublik warfen dem früheren 05-Trainer "Sturheit" vor. Allenthalben herrscht Unverständnis wegen dieser Entscheidung Constantinis, der an Stelle des Führenden in der Scorerwertung der Bundesliga den 17-jährigen David Alaba von den Amateuren des FC Bayern München (Dritte Liga) nominierte. "Ich muss das akzeptieren und kann immer wieder nur meine Leistung bringen. Alles andere kann ich nicht beeinflussen", sagte der 05-Profi gestern.
"Mit Leistung kann das einfach nichts zu tun haben", lautete die erste Reaktion von Christian Heidel auf Constantinis Entscheidung. "Es gibt null Begründung dafür, Andi nicht einzuladen." Unabhängig von der persönlichen Enttäuschung des 05-Spielers, dem Bundesligisten kommt die Entwicklung sicherlich gar nicht so ungelegen. Ivanschitz kann in Ruhe in Mainz mit der Mannschaft trainieren und sich komplett auf seine Leistung in der Liga konzentrieren. Dass dem 25-Jährigen dies extrem gut gelingt, zeigt der Topscorer seit nunmehr elf Spieltagen.
Und auch im heutigen Duell gegen den Mitaufsteiger dürfte der Spielmacher wieder eine exponierte Rolle spielen. Damit rechnet auch der 05-Manager. "Andi hat Wut im Bauch. Er will in jedem Spiel zeigen, was er drauf hat." Sechs Tore hat der Österreicher auf seinem Konto, dazu sechs Assists. Das ist Ligaspitze und eine Quote, die nicht zuletzt dafür verantwortlich ist, dass Mainz 05 einen solchen Start hinlegte.
Sollte der Elf von Thomas Tuchel heute gegen den "Club" der fünfte Heimsieg in Folge gelingen, hätte der Neuling einen neuen Startrekord in seiner Bundesligahistorie aufgestellt. "Das ist bei uns kein Thema", sagt jedoch Heidel. "Darüber haben wir noch nicht einmal gesprochen, denn dafür können wir uns nichts kaufen." Ein Sieg gegen die Nürnberger sei aus anderen Gründen wichtig. 21 Punkte nach zwölf Spieltagen seien eine Grundlage, die den 05ern im weiteren Saisonverlauf noch mehr Selbstvertrauen und Entwicklungs-Möglichkeiten eröffne.
Doch der 05-Manager weiß, wie schwer diese heutige Partie werden wird. "Ein ganz schwieriges Spiel. Die Zuschauer müssen uns von Beginn an helfen. Wir sind nicht der klare Favorit. Wir haben ein paar Punkte mehr und sind heimstark, aber wissen auch um die Qualität des Gegners. Da brauchen wir diesmal viel Geduld, denn wir können nicht davon ausgehen, dass es immer so läuft wie zuletzt mit einer frühen Führung", erklärte Heidel.
Dem 46-Jährigen gefällt im Vorfeld der Partie, was er vom Gegner hört. "Die sagen, wir sind genauso gut wie die Mainzer und treffen nur das Tor nicht. Die Nürnberger gehen felsenfest davon aus, bei uns zu gewinnen. Ich habe gelesen, wir müssen jetzt büßen, weil es für sie gegen Bremen nicht zum Sieg reichte." So etwas höre er gerne, sagte Heidel. "Die Einen sagen, wenn du oben dabei sein willst, musst du Mainz schlagen. Die Anderen sagen, wenn du unten weg kommen willst, musst du Mainz schlagen." Dass dies nicht ganz so einfach funktioniert, zeigt die Tabelle. Die 05er haben bisher überhaupt erst dreimal verloren - und zu Hause noch gar nicht.
● Im gestrigen Abschlusstraining bestätigte sich, dass Elkin Soto einsatzbereit ist für die heutige Partie. Thomas Tuchel rechnet auch mit Chadli Amri, der nach seinem grippalen Infekt ein Lauftraining absolvierte. Der 05-Trainer will heute entscheiden, ob Amri wieder aufläuft oder auf die Bank muss.
● Der "Club" hat gestern mitgeteilt, dass Marek Mintal wegen eines grippalen Infektes definitiv ausfällt. Thomas Broich soll den Spielmacher ersetzen. (Jörg Schneider)
RZO
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