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Mi 27.03.2002
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Katastrophe mit bis zu 4800 Toten - Etwa 150.000 Menschen obdachlosHilfskonvois für Erdbebenopfer rollenKabul - Zwei Tage nach Beginn der verheerenden Erdbebenserie in Afghanistan hat am Mittwoch eine Welle der Hilfe die Überlebenden in der Katastrophenregion erreicht. Zugleich gab es ein neues schweres Erdbeben, das achte seit Montag. Bis zu 4800 Menschen kamen durch die Beben ums Leben, 150.000 Menschen wurden obdachlos. In der zerstörten Bezirkshauptstadt Nahrin in der Provinz Baghlan gab es 700 Todesopfer.
"Das Volk von Afghanistan hat so viel gelitten, und dies ist noch eine Tragödie", sagte Regierungschef Hamid Karsai in Nahrin. Er rief für diesen Donnerstag einen nationalen Trauertag aus und versprach den Überlebenden Hilfe. Bild der Verwüstung Den Helfern und Journalisten, die am Mittwoch die Erdbebenregion erreichten, bot sich ein Bild der Verwüstung. Die Lehmhäuser in den Dörfern in der Ebene um Nahrin waren eingestürzt. Staub lag in der Luft. Nachbeben und das neue schwere Beben wirbelten zusätzlich Staub auf. Bei den andauernden Erdstößen rannten die Menschen in Panik aus ihren Häusern auf die Felder. Alle Beben seit Montag spielten sich wenige Kilometer unter der Erdoberfläche ab und erschütterten deshalb mit ihrer ganzen Wucht die Dörfer und Städte. In Nahrin war ein Feld frischer Gräber zu sehen, wo die Opfer bestattet worden waren. Nacht im Freien Nicht nur die Obdachlosen, sondern die meisten Überlebenden in den betroffenen Ortschaften verbringen die Nächte im Freien, weil die andauernden Beben die Gefahr neuer Zerstörungen bergen. Deshalb werden die Zelte und Decken, die die Hilfsorganisationen bringen, dringend gebraucht. Unter den Taliban, die im vergangenen Jahr ausländische Helfer systematisch schikaniert hatten, hätte die Hilfe nach Ansicht von Experten nicht so rasch anlaufen können. Decken, Zelte, Sanitäter und Notkliniken
Das deutsche Kontingent der Internationalen Schutztruppe (ISAF) bringt Decken, Zelte, medizinische Ausstattung und Sanitäter. An dem Einsatz sind 127 Soldaten aus Deutschland, Dänemark und den Niederlanden beteiligt. Die ISAF schickte außerdem Fachleute, um Telefonverbindungen für die Helfer aufzubauen. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) ließ Nahrung, Decken und Medikamente für 6000 Familien mit Lastwagen in die Region bringen. Russland schickte Ärzte, Hundeführer, Pioniere und ein Feldlazarett. Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" und das deutsche Technische Hilfswerk THW bauten Notkliniken auf. Schwerverletzte müssten ausgeflogen werden, weil das Krankenhaus von Nahrin zerstört sei, sagte Klaus Buchmüller vom THW. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF schickte 70 Tonnen Hilfsgüter. Ausländischen Helfern drohen nach Aussage der Vereinten Nationen keine Gefahren durch Taliban- oder El Kaida-Kämpfer. "Dieser Teil des Landes ist relativ sicher", sagte Andrew Cox vom UN-Büro für humanitäre Hilfe (UNOCHA). Minengefahr für Überlebende und Helfer
Nach Aussage der Minenräumorganisation "Halo Trust" ist die Straße von Kabul in das Katastrophengebiet nicht durch Minen bedroht. Das Beben könne die Minengefahr für Überlebende und Helfer aber erhöht haben, meinte der Deutsche Initiativkreis für das Verbot von Landminen. Afghanistan ist eines der am schlimmsten verminten Länder der Welt. Zuletzt war die jetzige Erdbebenregion im vergangenen Herbst zwischen Taliban und Nordallianz umkämpft. Die genaue Zahl der Opfer blieb weiter unklar. Die UNOCHA hatte von 4800 Toten gesprochen. Die afghanische Regierung war zunächst von 2000 Toten und 3000 Verletzten ausgegangen, befürchtete aber am Mittwoch, dass die Zahl noch steigen könne. UNICEF gab die Zahl der Toten mit 1600 an. Von acht Erdbeben erschüttert Die Provinz Baghlan wurde zwischen Montagabend und Mittwochmittag von acht Erdbeben erschüttert. Das erste Beben war nach Angaben des US-Informationszentrums in Denver (NEIC) mit einer Stärke von 6,1 auf der Richterskala das schwerste. Ihm folgten Beben der Stärke 4,6 bis 5,8. Außerdem gab es zahlreiche kleinere Nachbeben. Die Epizentren aller Beben lagen nahe der Stadt Nahrin. Die Altstadt wurde völlig verwüstet, die Neustadt zu 40 Prozent zerstört. Die geringe Tiefe der Beben machte sie zwar so verheerend für die Dörfer direkt über den Epizentren. Die Region der Verwüstungen blieb jedoch nach Aussage von Reportern relativ begrenzt. dpa - Fotos: AP, dpa |
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Zuletzt geändert am 27. Maerz 2002 15:49 von aj |
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