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Schiffscrew verabreicht doch keine Abtreibungspille an irirsche Frauen:

"Women on Waves" legen in Dublin an

Dublin - Auf dem im Hafen von Dublin vor Anker liegenden Abtreibungsschiff "Aurora" werden nun doch keine Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen. Das Team der Abtreibungsstiftung "Women on Waves" ("Frauen auf Wellen") teilte am Freitag mit, die Abtreibungspille RU 468 den Interessentinnen nicht verabreichen zu wollen. Die Niederlande hätten Abtreibungen an Bord eines Schiffes nicht genehmigt, weil die sanitären Anlagen auf der "Aurora" nicht vor dem Auslaufen durch die Behörden kontrolliert worden seien, sagte die Sprecherin Joke van Krampen zur Begründung.

Das Schiff hatte am Donnerstagabend im Hafen von Dublin festgemacht. Die Resonanz auf das Angebot des niederländischen Teams habe bei den Irinnen überwältigendes Interesse hervorgerufen, sagte die irische Vertreterin der Stiftung, Ivana Bacik. Die für Freitag angekündigte Protestkundgebung von Abtreibungsgegnern fand nicht statt.

Warten auf Genehmigung aus den Niederlanden

Die niederländische Besatzung habe nie chirurgische Eingriffe vornehmen wollen, sei jedoch bereit gewesen, die Abtreibungspille in dem eigens dazu vorgesehenen Behandlungsraum zu verabreichen. Dazu hätte das Schiff außerhalb der Zwölf-Meilen-Zone in internationale Gewässer fahren müssen, um nicht unter die irische Gesetzgebung zu fallen. In Irland ist Abtreibung nur dann erlaubt, wenn das Leben der schwangeren Frau gefährdet ist. Daher reisen rund 6000 Irinnen pro Jahr nach Großbritannien, um dort eine Abtreibung vornehmen zu lassen. "Women on Waves" zufolge gelten für den Schwangerschaftsabbruch auf dem Schiff die niederländischen Gesetze. Van Krampen hoffte, die Genehmigung für die Abtreibungen an Bord aus den Niederlanden schon bald zu erhalten.

"Wir sind ganz benommen von der Reaktion"

Von Seiten der Irinnen wurde "Women on Waves" offenbar mit Nachfragen überschüttet. Wesentlich mehr Frauen als erwartet hätten das Team an Bord kontaktiert, sagte van Krampen. "Wir sind ganz benommen von der Reaktion." Es habe 80 Anfragen in den vergangenen Tagen gegeben, sagte die irische Sprecherin Caitlin O'Neill. Statt Abtreibungen vorzunehmen, verlegt sich das Team der "Aurora" nun zunächst auf Schwangeren- und Verhütungsberatung auf dem Schiff. Ohnehin sei es das Ziel gewesen, vor allem Aufmerksamkeit auf die Abtreibungsfrage in Irland zu lenken, hieß es von der Gruppe. Die rechtlichen Grundlagen verstößen gegen die Menschenrechte und das sexuelle Selbstbestimmungsrecht von Frauen, sagte van Krampen. Das Schiff soll etwa eine Woche in Dublin vor Anker liegen und dann ins südirische Cork weiter fahren.

Abtreibungsgegner haben Proteste angekündigt

Militante Abtreibungsgegner hatten für Freitag eine Reihe von Protesaktionen angekündigt, für die jedoch die Teilnehmer fehlten. An den Docks von Dublin fand sich nur ein einziger ein, der von mehr als hundert Reportern und Fotografen umringt war. Sie wollten die Aktion von "Women on Waves" durch ihre Proteste nicht noch mehr ins Rampenlicht rücken, hieß es zum Verzicht auf die Kundgebungen von Seiten der Abtreibungsgegner. Die Gruppe "Human Life International" kündigte an, ebenfalls ein Boot in den Hafen von Dublin bringen zu lassen, um den Frauen Beratung anzubieten und sie zu einer Entscheidung für das Leben zu bewegen. Bis zum Mittag war es aber noch nicht in Sicht.

Viele Frauen sterben weltweit bei illegalen Abtreibungen

Die in Amsterdam ansässige Stiftung "Women on Waves" wurde 1999 von einer niederländischen Frauenärztin gegründet. Eigenen Angaben zufolge will sie gegen die "medizinische Katastrophe" von weltweit rund zwanzig Millionen "unter illegalen und unsicheren Bedingungen" vorgenommenen Abtreibungen vorgehen, bei denen Schätzungen jedes Jahr zufolge 70.000 Frauen sterben.

AFP

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Zuletzt geändert am 15. Juni 2001 11:55 von aj

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