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Hiphopper Aleksey mit neuem Album "Weltpremiere"Alleingang gegen Arroganz
Mit deftiger Kritik an der deutschen Hiphop-Szene verbindet der deutsche Rapper Aleksey die Veröffentlichung seines Albums "Weltpremiere", das von diesem Montag an in den Plattenläden zu kaufen ist. "HipHop hat so eine blöde Arroganz mit sich gebracht. Da wird kaum noch ein anderer Musikstil akzeptiert", beklagt der vor 21 Jahren in Liberia geborene Braunschweiger, der sich selbst als Vorbild für einen toleranteren Umgang anbietet: "Ich bin nicht der Diss-Typ, der sich über alle anderen stellt und sagt: Das, was ihr macht, ist scheiße." "Monoton? Ich will Musik, ich will Leben"Deshalb pendelt Aleksey auf seiner neuen Platte auch locker zwischen den Stilen, liefert mal weiche Töne, aber auch Stoff für die Fans, die sich rhythmisch in der "Kopfnicker-Abteilung" zu Hause fühlen. "Es ist doch total schwachsinnig, sich nur zu fokussieren auf diese monotonen Geschichten", sagt er mit Blick auf Rapper der reinen Lehre: "Ich bin doch auch kein monotoner Typ. Ich will Musik, ich will Leben, ich will mit Sängern und mit Chören arbeiten." Die Gefahr, dass er damit in der Szene ein Einzelgänger bleibt, sieht das Gründungsmitglied der Formation "Jazzkantine" eher positiv. "Ich bin allein auf weiter Flur. Ich will mich nie irgendwelchen Szenen zugehörig fühlen", sagt Aleksey und grenzt sich damit deutlich von seiner Vergangenheit ab: "Ich bin nicht mehr der 17-jährige dreadlockige Aleksey, der nur die Mädchen-Texte mit Liebe und so geschrieben hat. Ich bin inzwischen ein ernsthafter Künstler geworden, der ein bisschen mehr denkt." "Meine Liebe ist der Hiphop"Eine Freundin hat der umschwärmte Rap-Star derzeit nicht. Aus gutem Grund. "Meine Liebe ist der Hiphop", beichtet Aleksey und erklärt: "Ich bin da immer noch total verknallt. Der HipHop gibt mir, was mir anderes nicht geben kann." Zum Beispiel den Spaß am Reimen. Weil im Hiphop nur gut ist, was sich spätestens zum Satzende geschmeidig an den Vortext kuschelt, setzt auch Aleksey auf verbale Rundungen. "Das ist der Wettbewerb im Hiphop, dass man die Reime findet, die die anderen noch nicht haben." Einschlägige Wörterbücher mag er nicht zu Hilfe nehmen: "Da stehen ja nur die Standards drin, auf die ich auch selber komme."
"Ein Song von mir hat mehr Text als ein ganzes Album von George Michael""Weltpremiere" beweist nun, dass Aleksey noch genügend intelligente Reime eingefallen sind und er mit Worten keineswegs sparsam umgeht. "Ein Song von mir hat mehr Text als ein ganzes Album von George Michael", meint er voller Stolz. "Ein Rap bedarf automatisch vieler Worte. Man darf da keine Pausen lassen, sonst hat man keinen Flow. Dann ist es kein Rap mehr, sondern irgendetwas Gesprochenes." Aleksey singt gegen Gewalt an Schulen und gegen eine blinde Wohlstandsgesellschaft. Auch gegen den Chauvinismus in der Branche hat er etwas einzuwenden. "Ich finde das gut, dass sich immer mehr Frauen wehren", sagt er über feminine Rap-Versuche, zieht aber mit Blick auf die von Männern dominierte Hiphop-Szene keine sehr erfreuliche Bilanz: "Es wäre Quatsch zu sagen: Die können alle nicht rappen, aber den Frauen fehlt vielleicht auch noch ein bisschen das Selbstbewusstsein, sich vor andere hinzustellen und zu sagen: Ich mach's jetzt, ich bin die beste. Das ist bei den Typen chauvimäßig schon eher in den Genen drin." Hans Hoff, dpa
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| Geändert am 8. Mai 2000 12:25 von to | ||||||||