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Who was who in der Boeing 727?
Stichwort: Afghanistan
Entführung in besseres Leben: "Ich wär gern mitgeflogen"

Glückliches Ende nach 96 Stunden Angst

Who was who in der Boeing 727?

Verwirrung um afghanische Luftpiraten und Geiseln

London - Nach fast 96 Stunden Angst ist alles ganz schnell vorbei. Um 3.00 Uhr morgens geht in der entführten afghanischen Boeing auf dem Londoner Flughafen Stansted unerwartet das Licht an. Polizisten fahren vor, zwei Luftpiraten verlassen die Maschine zu Verhandlungen.

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Freude nach der Freilassung: Die Passagiere werden zum Flughafengebäude gebracht.

Über Funk beraten sich die Entführer mit ihren Kameraden an Bord. Wenige Minuten später öffnet sich die hintere Flugzeugtür. Die Gangway fährt vor: 85 Geiseln, vor allem Kinder und Frauen, steigen in die Freiheit hinunter. Keine drei Stunden später verlassen die übrigen 65 Menschen die Maschine. Die längste Entführung in der Geschichte Großbritanniens ist nach mehr als vier Tagen zu Ende. Kein Toter, kein Verletzter, kein Schuss ist gefallen.

Hintergründe liegen im Dunkeln

Aber war es überhaupt eine Entführung im klassischen Sinne? Oder handelte es sich vielleicht eher um eine Art Familienausflug in die Freiheit? Auch Stunden nach dem Ende der bizarren und unblutigen Geiselnahme liegen Forderungen der Luftpiraten und Hintergründe der Tat im Dunkeln. Mit erhobenen Händen verlassen Geiseln und Geiselnehmer Seite an Seite die Boeing 727 der Fluggesellschaft Ariana, und zunächst weiß niemand genau, Opfern von Tätern zu unterscheiden. "Wir müssen erstmal herausfinden, wer Geisel und wer Geiselnehmer ist", heißt es bei der Polizei. Erst einmal nimmt sie 19 mutmaßliche Luftpiraten fest.

Keine politischen Themen

"Es war kaum möglich zu klären, warum sie die Maschine entführt haben", sagt der Polizeichef der Grafschaft Essex, David Stevens, auf seiner ersten Pressekonferenz nach dem glücklichen Ende. Die ersten 75 Stunden der Entführung seien überhaupt keine politischen Themen zur Sprache gekommen - auch nicht das Schicksal des inhaftierten afghanischen Oppositionsführers Ismail Khan, dessen Freilassung die Luftpiraten zunächst angeblich gefordert haben sollen. Den Luftpiraten sei es um alles Mögliche gegangen, meint Stevens, aber nicht um Politik.

Im Parlament berichtete der britische Innenminister Jack Straw dann einige Stunden später, dass mindestens 60 Insassen der Maschine nicht mehr nach Hause wollen. Sie beantragten in Großbritannien Asyl. Keiner von ihnen will nicht mehr nach Afghanistan zurück, das zum Großteil von der radikal-islamischen Taliban-Miliz beherrscht wird. Das Land liegt nicht zuletzt wegen UN-Sanktionen wirtschaftlich am Boden, und eine Flucht wäre nur allzu verständlich.

Gemeinsame Sache gemacht?

Die britischen Zeitungen mutmaßten, dass zumindest einige der Geiseln mit den Luftpiraten unter einer Decke steckten. So sollen die Luftpiraten mit einer 40-köpfigen Hochzeitsgesellschaft gemeinsame Sache gemacht haben, die am Sonntag auf den Weg ins nordafghanische Masar-i-Scharif war. Möglicherweise seien sie sogar mit den Entführern verwandt. Andere Zeitungen schrieben, einige der rund zwei Dutzend Frauen hätten in der afghanischen Hauptstadt Kabul die Waffen unter der Burka, dem weiten islamischen Gewand, an Bord der Maschine geschmuggelt. Die fehlenden Röntgengeräte am Flughafen von Kabul hätten dies möglich gemacht. Aber wie es wirklich war, das weiß noch keiner so recht.

AFP - Foto: AP

Geändert am 10. Februar 2000 14:45 von aj
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