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Forscher:Bedeutender Knochenfund in ThüringenBeweis für die Existenz des "Homo erectus" in EuropaBilzingsleben - Forscher der Universität Jena haben in Bilzingsleben bei Sömmerda nach eigenen Angaben einen eindeutigen Beweis für die Existenz des "Homo erectus" in Europa gefunden. Das Team um Dietrich Mania fand in einem Travertinsteinbruch den versteinerten Unterkieferknochen eines Menschen, der vor rund 370.000 Jahren lebte. Der "Homo erectus", der aufgerichtete Mensch, gilt als der Urmensch schlechthin. Als ein Vorfahre des "Homo sapiens" war er vor anderthalb bis zwei Millionen Jahren in Afrika entstanden und hatte sich bis nach Asien ausgebreitet. Der acht bis neun Zentimeter lange und etwa drei Zentimeter breite zahnlose Unterkieferast ist nach dem "Heidelberger Urmenschen" erst der zweite derartig bedeutsame Fund in Deutschland und der sechste dieser frühen Form in Europa, wie Mania erläuterte. "Vor dem lang ersehnten Unterkieferfund hatten wir in nahezu 30-jähriger Grabungsarbeit 28 Schädelstücke gefunden", erläutert der Archäologe und Geologe im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. Mit Begeisterung schildert er, wie sein Kollege, der Paläoanthropologe Emanuel Vlicek vom Prager Nationalmuseum, aus diesen Fragmenten Hirnschädel rekonstruierte und durch Vergleiche mit anderen Beispielen aus dieser Zeit den Fossilienfund aus Bilzingsleben als den typischen "Homo erectus" klassifizierte. "Als ob es der gleiche wäre"Besonders gut ließen sich die Schädelstücke mit dem Funden vom "Sinanthropus pekinesis" zusammensetzen, jenem "Homo erectus", der in der Nähe von Peking gefunden worden war. "Als ob es der gleiche wäre, passt der Kiefer aus Bilzingsleben wunderbar mit dem Pekingmenschen überein. Es ist hier wie dort ein graziler Frauenkiefer, der genau in den Gipsabguß des Schädelmodells passt", freut sich Mania. Die Wissenschaftler haben das Alter der Funde, zwischen 350.000 Jahren und 400.000 Jahre, freilich auch durch andere Methoden ermittelt, wie etwa durch die so genannte Th-Radioisotop-Methode, die Zerfallsprodukte von Uran- und Thoriumbestandteilen untersucht. "Es ist der eindeutige Beweis für die Existenz dieser frühen Form des Menschen in Europa", meint Mania. Prähistorische Riten vermutetDer heutige Steinbruch war vor rund 400.000 Jahren ein Lagerplatz, den eine Urmenschengruppe bewohnte. Ihre Lebensspuren, die sie hinterlassen haben, geben nach Angaben des Professors Hinweise auf die geistig-kulturellen Tätigkeiten des Homo erectus wie nirgendwo an einer anderen Fundstelle der Welt aus dieser Zeit. Er begründet es damit, dass hier in 30 Jahren minutiöser Arbeit auch zahllose Werkzeuge aus Stein, Knochen und Holz gefunden wurden. Neben Knochen von Nashörnern, Hirschen und Wildpferden fand sich auch ein Knochenrest eines Elefanten, auf dem in regelmäßigen Abständen Strichfolgen eingraviert wurden. "Diese sind so angeordnet, das sie nicht zufällig entstanden sein können. Wir deuten dies als die ältesten grafisch dargestellten menschlichen Gedanken. Wenn die Urmenschen dazu in der Lage waren, dann waren sie auch zum abstrakten Denken befähigt", schlussfolgert Mania. Zurzeit wird in Bilzingsleben ein eigentümliches kreisförmiges Pflaster von etwa neun Meter im Durchmesser freigelegt und präpariert. Die Wissenschaftler vermuten, dass auf dem schon damals besonders gekennzeichneten Platz urgeschichtliche Riten stattfanden. An dessen westlicher Seite befindet sich ein steinerner Amboss, auf dem auch menschliche Schädelknochen zerschlagen wurden, wie Partikel auf der Oberfläche beweisen. Ganz in der Nähe wurde der Unterkiefer gefunden. Mania und sein Team vermuten eine frührituelle Behandlung von menschlichen Schädeln. "So gibt es die so genannte Patrophagie bei einfachen Naturvölkern bis in die Neuzeit. Dabei aß man bestimmte Teile von Verstorbenen, etwa das Gehirn, weil man glaubte, dass man damit auch deren gute Eigenschaften in sich aufnahm." AP - Foto: dpa
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| Geändert am 10. Februar 2000 16:34 von aj | ||||||