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. . . Nazca: Kultstätte statt Ufo-Landebahn

Jedem Besucher, der die Ebene in Zweisitzer-Propellermaschinen überfliegen kann, eröffnet sich eine wahrhaft mysteriöse Ansammlung wohlproportionierter Zeichnungen und Formen, die durch ihre Ebenmäßigkeit bestechen. "Gemalt" wurden sie vor etwa 1.400 Jahren, indem dunkle Steine abgetragen und somit ein Streifen aus gelbem Wüstensand freigelegt wurde. Ursprung und Zweck blieben ein Geheimnis. Das Volk von Nazca kannte keine Schrift. Grabräuber hinterließen nur Tongefäße, die als Zeitzeugen wenig Auskunft geben.

"Seelenflug" gegen lange Trockenheit

Ein fünfköpfiges britisch-amerikanisches Forscherteam, das am Donnerstag im britischen BBC-Fernsehen seine Erkenntnisse erläutert ("Flightpath to the Gods"), will nun des Rätsels Lösung gefunden haben: Das Volk der Nazca, für die der Andenstreifen die einzige Wasserquelle war, drohte durch eine jetzt nachgewiesene 40 Jahre lange Trockenheit um 550 oder 600 nach Christus ausgelöscht zu werden.

Nach Angaben von Expeditionsleiter Tony Spawforth, Archäologe an der Universität Newcastle, zog das Volk die geraden Wüstenstreifen als Gebetstätte für den sehnsüchtig erwarteten Regen. Die Tierbilder waren demnach zur Orientierung für die Schamanen (Medizinmännern) bestimmt, die nach dem Aberglauben der Einwohner im Drogenrausch zur Bekämpfung von Krankheiten auf "Seelenflug" gingen. Funde merkwürdig langer Schädelknochen, die ebenfalls als Zeugnis außerirdischen Lebens interpretiert wurden, schreiben die Forscher Deformationen im frühen Alter zu, weil ähnlich wie im alten Ägypten Mütter die Köpfe ihrer Kleinkinder "längswickelten".

Tierbilder als "Geisterhelfer"

"An einem der Riesentrapeze fand ich eine Nazca-Panflöte", sagte Archäologe David Browne einer Zeitung. "Ich glaube, daß entlang der Linien religiöse Prozessionen abgehalten wurden." Für solche Rituale gebe es auch andernorts in Peru Beispiele, meint er. Und in Nazca deuteten viele der Trapeze in Richtung einer Wasserquelle. Anthropholge Piers Vitebsky vom Scott Polar Institute in Cambridge, erklärt: "Von modernen Schamanen in peruanischen Dörfern habe ich erfahren, daß ihnen viele der Tierbilder, wie die Spinne und der Affe, als, Geisterhelfer' vertraut waren." Ähnliche Bodengemälde waren auch in Iowa und Ohia (USA) gefunden worden.

Ungeklärt: Perfekte Geometrie und Proportionen

Ungelöst bleibt indes ein Aspekt: Aus der Sicht eines Fußgängers im der steinig-öden Landschaft sind die großflächigen Steingemälde gar nicht auszumachen. Wie die Figuren die nur aus der Höhe zu erfassende perfekte Geometrie und Proportionen - etwa in den Flügelwindungen eines gigantischen Kondors - erhalten konnten, ist durch die neuen Erkenntnisse außer dem Hinweis auf hallizogene Drogen der Bauherren auch nicht zu erklären. Von Marina Zapf

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Letzte Änderung: 22.08.1997 00:02 von aj