1. FC Kaiserslautern - Hertha BSC Berlin 1:0 (0:0)"Kleinkarierter Käse" stinktFriedrich droht mit Rücktritt - Briegel: Sache mit Otto "bereinigt"Kaiserslautern (sid) Eigentlich könnte alles so schön sein: In einem Vier-Augen-Gespräch unter Männern hatten Trainer Otto Rehhagel und Manager Hans-Peter Briegel ihren monatelangen Streit vor dem Spiel "endgültig bereinigt" (Briegel), der 1. FC Kaiserslautern hatte anschließend durch ein Tor von Olaf Marschall (74.) das Aufsteigerduell gegen Hertha BSC Berlin verdient 1:0 (0:0) gewonnen und nach den zwei Auftaktsiegen erstmals seit vier Jahren die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga erobert.
"Ich werde hier seit vier Wochen fast kastriert"Bäcker Landry will angeblich im Besitz eines Gegengutachtens sein, das seine Vorwürfe untermauert und der Gegenseite unterstellt, ein "Gefälligkeitsgutachten" in Auftrag gegeben zu haben. Das strittige Geschäft mit Fanartkeln, bei dem die Firma midas des Friedrich-Sohnes Patrick einen Verlust von rund 11.000 Mark gemacht haben soll, hatte ein Gesamtvolumen von rund 350.000 Mark. Angesichts eines FCK-Etats von 42 Millionen Mark ein eher geringer Betrag, aber offenbar genug, um den Hausfrieden der "Roten Teufel" nachhaltig zu stören.Dem eigentlich stets gut gelaunten Friedrich, der sogar beim unschönen Hauskrach zwischen Briegel und Rehhagel seinen Humor bewahrt und sein Amt mit dem Weitermachen des Managers verknüpft hatte, ist das Lachen vergangen. Mittlerweile hat Faschingsprinz Hardy Höfli 108 Mitgliederstimmen beisammen und kann satzungsgemäß das Vorziehen der für 17. Oktober vorgesehenen Jahreshauptversammlung fordern. "Ich werde hier seit vier Wochen fast kastriert und seit einem Dreivierteljahr permanent von Herrn Landry attackiert. Ich weiß gar nicht warum?", erklärt Friedrich. In einer brisanten und mit Spannung erwarteten Vorstandssitzung will Friedrich am Freitag (ab 17.00 Uhr) Tacheles reden. Der Ex-Profi und Mitspieler von Rehhagel, der den Erfolgscoach im August 1996 nach Kaiserslautern geholt hatte, denkt diesesmal ernsthaft an Rücktritt und droht damit. "Mannschaft und Trainer haben Charakter bewiesen""Ich werde die ganze Angelegenheit mit meinen Kollegen besprechen und dann mitteilen, was ich mache. Wenn ich meine Erfahrung und Kreativität nicht mehr einbringen kann, dann ...", sagt Friedrich, den in der Pfalz alle "Atze" nennen. Da Friedrich die Rückendeckung von Präsident Hubert Keßler und der Mannschaft hat, ist derzeit nur eine Lösung möglich: Friedrich bleibt nur, wenn Landry geht. "Mannschaft und Trainer haben den Charakter bewiesen, den ich während der letzten Wochen innerhalb unseres Vereins teilweise leider vermissen mußte", teilte Keßler in einem offenen Brief den Lauterer Fans mit. "Wir haben die Antwort auf dem Platz gegeben. Es kann nicht sein, daß der Fußball mittlerweile zur Nebensache geworden ist. Einige Leute müssen sich Gedanken machen, für wen sie arbeiten", wetterte Martin Wagner nach seinem 200. Bundesligaspiel. Wagner fordert: "Herr Landry und Co. müssen mal die Klappe halten." Das Hickhack auf den Nebenschauplätzen nahm Torschütze Marschall mit Humor. "Von mir aus könnte das ganze Jahr Theater sein, wenn wir dadurch weiter oben bleiben würden." Der Stürmer, den seit 1994 sieben Verletzungen immer wieder zurückgeworfen hatten und der nach einem Mittelfußbruch noch mit Drähten sowie Schrauben im rechten Fuß spielt, konnte sich gar nicht mehr erinnern, wann er zuletzt einen spielentscheidenden Treffer markiert hat. Mit seinem artistischen Kopfball aus fast aussichtloser Lage machte Marschall das vor, was Hertha-Trainer Jürgen Röber bei seinen Angreifern vermißte. "Wir haben die Chancen mehr oder weniger kläglich vergeben", monierte Röber. Kapitän Axel Kruse, der zweimal aussichtsreich vergab (30. und 40.) konnte sich nicht vorstellen, "daß der Trainer das gesagt hat" und sprach ungeachtet des FCK-Dauerdrucks und der eigenen Defensivhaltung von einem "Glückstreffer zu einem glücklichen Lauterer Sieg".
Letzte Änderung: 08.08.1997 00:02 von jp |