Wild Wild West
Western trifft Science Fiction:
Will Smith rettet Sonnenfelds Genre-Mix
Superstar Will Smith ist der Trumpf, mit dem Barry Sonnenfelds neuer Film "Wild Wild West" im Spiel um die Zuschauergunst Punkte macht. Dennoch blieb die Westernkomödie mit Science-fiction-Touch, in der der Schauspieler und Rapper die Hauptrolle spielt, schon in den USA hinter den Erwartungen zurück.
Die Zutaten für "Wild Wild West" klangen vielversprechend: Wie bei seinem Kassenknüller "Men In Black" hatte Erfolgsregisseur Barry Sonnenfeld mit Will Smith einen der angesagtesten Hollywood-Stars für sein Projekt gewinnen können. Aus der TV-Serie "Verrückter Wilder Westen" sollte in der Leinwandversion eine Western-Persiflage mit Spezialeffekten und James-Bond-Elementen werden.
Der Trailer: Witzig, optisch stilvoll, temporeich
Der verheißungsvolle Trailer zum Film schürte die Vorfreude weiter: Witzig, optisch stilvoll, temporeich, ein wenig schräg und - wie schon bei "Men In Black" - mit dem passenden Song vom Hauptdarsteller persönlich zusätzlich aufgepeppt. An Will Smith liegt es denn auch nicht, daß daraus nur ein mittelmäßiger Film wurde. Als Spezialagent "West - James West" stellt er sich in Bond-Manier vor und schießt lieber erstmal anstatt mit Fragen Zeit zu verschwenden. Sein Präsident stellt ihm Artemus Gordon (Kevin Kline) zur Seite und beauftragt sein Team, dem Schurken Dr. Arliss Loveless (Kenneth Branagh) das Handwerk zu legen, der mit Hilfe seiner waffenstarrenden Konstruktion "Tarantula" die Herrschaft an sich reißen will. Partner Gordon ist natürlich das krasse Gegenteil Wests, steht Gewalt eher ablehnend gegenüber und zeichnet sich durch Tüftler-Qualitäten aus. Er erfindet unter anderem eine kugelsichere Weste und eine Apparatur, mit der sich die beiden in die Luft erheben können.
Der Film: Mittelmäßig
Diese Filmsequenz ist eine der vielen kleinen Referenzen, die Kundige in Regisseur Sonnenfelds Werk entdecken können: "Bei drei Filmen, die ich inszenierte - "Die Addams Family in verrückter Tradition", "Men In Black" und jetzt in "Wild Wild West" - habe ich immer das gleiche "E. T."-Filmzitat eingebaut. Diesmal lasse ich Kline und Smith im ersten Flugobjekt, vor dem Hintergrund des Mondes vorbeiziehen. Ich bin nicht sicher, ob Steven (Spielberg) das Zitat je mitgekriegt hat, aber mir macht es Spaß, humorige Dinge einzustreuen. Und wenn es jemand nicht erkennt, bleibt es immerhin noch ein schönes Bild."
Will Smith beim Nacktbaden mit anzüglichen Sprüchen

An optischem Einfallsreichtum - von Michael Ballhaus brillant eingefangen - mangelt es Sonnenfelds Werk auch diesmal nicht. Leider ist der Rhythmus seines Films nicht stimmig, Pointen versanden und so schleichen sich trotz der nur 95 Minuten Laufzeit reichlich Längen ein. Will-Smith-Fans werden trotzdem ihren Spaß haben. Im coolen Outfit oder beim Nacktbaden mit anzüglichen Sprüchen macht sich der Künstler beim Publikum beliebt. Ein wenig unzufrieden zeigte sich der Frauenschwarm darüber, daß er mit der feurigen Salma Hayek ("From Dusk Till Dawn") keine Liebesszene drehen durfte: "Barry sagte immerzu, daß das nicht in den Film paßt." Tatsächlich verschenkt "Wild Wild West" auch hier ein Potential - die Mexikanerin bekam leider nur eine Nebenrolle.
Silke Weiss, dpa












