Ritter aus Leidenschaft
Lustiges Historienspektakel mit Tempo
William Thatcher ist ein echter Zottel, dessen blonde Rastalocken so manchen jugendlichen Reggae-Fan vor Neid erblassen lassen könnten. Dieser verlauste Junker träumt schon sein Leben lang von einer glamourösen Karriere als Ritter im Wettstreit mit der Lanze. Schließlich gelingt es ihm. Und dazu erklingt Queens "We Will Rock You".
Das klingt verdächtig nach einfachem Klamauk, ist aber der Beginn des ab 5. September im Kino zu sehenden Recken-Films "Ritter aus Leidenschaft", einer sehenswerten Mittelalter-Komödie mit Herz, Action und viel Schmerz - ob nun durch Lanzen- oder Liebeskraft verursacht. Darin zeigt sich der charismatische Jungschauspieler Heath Ledger ("Der Patriot"), der als Nachfolger von Mel Gibson gehandelt wird, in seiner ersten Hauptrolle in einem großen Hollywoodfilm.
Als Sohn eines Dachdeckers hat der in Diensten eines Ritters stehende Junge keine Chance, einmal selbst an einem Lanzenwettkampf teilzunehmen. Schließlich fließt in seinen Adern kein adliges Blut. Doch als sein Herr urplötzlich stirbt, sieht er seine Zeit gekommen und schlüpft schnurstracks in dessen Rüstung, um selbst zu kämpfen. Mit Hilfe eines schrulligen Dichters auf Wanderschaft, der ihm die notwendigen Adelsbriefe fälscht, und seinen beiden Junkersfreunden kann er seine "Sterne neu ordnen", wie eine der zahlreichen blumigen Formulierungen im Film lautet.
"Die Liebe hat mir Flügel verliehen. Ich muss fliegen", haucht der schmachtende Jüngling in die Abendluft. Kurz darauf wird er beim Lanzenturnier heroisch als "Beschützer italienischer Jungfrauen", "Exekutive des Herrn" und "Fahnder der Stille" vorgestellt. In der nächsten Szene erbebt das Kino unter splitternden Lanzen und donnernden Pferdehufen. Dann wieder ein vielsagender Rockklassiker: "Low Rider".
Regisseur Helgeland gelingt Kabinettstückchen
Regisseur Brian Helgeland ist ein kleines Kabinettstückchen gelungen, indem er klobige Ritterromantik mit augenzwinkernd eingesetzter Rockmusik verband, ohne Figuren oder Handlung ins Lächerliche zu ziehen. Entstanden ist ein knapp zweistündiger Mix aus Disko-Nummer, Liebesfilm, Pathos und Action-Feuerwerk.
Während Thin Lizzys "The Boys Are Back In Town" durch die Lautsprecher donnert, schwankt der Film zwischen Tränendrüsen marternder Melancholie und auftrumpfender Begeisterung für den strahlenden Ritter Ulrich von Lichtenstein, der im Grunde William heißt und in den Slums von London geboren wurde. Natürlich siegt der Emporkömmling bei jedem Turnier. Und natürlich verliebt er sich erfolgreich in eine hübsche Prinzessin, in deren Rolle die 20-jährige Shanny Sossamon ihr Filmdebüt gibt.
Ebenfalls vorhersehbar sind die fiesen Machenschaften eines niederträchtigen Blaublüters, der vor keiner Gemeinheit zurückschreckt, um Sir Ulrich alias William um Sieg, Liebe und Leben zu bringen. Der altgediente Darsteller Rufus Sewell gibt den bösen Count Adhemar ansprechend düster und seinem Gegner gegenüber herrlich arrogant..
Den Film sehenswert machen aber nicht die beiden jungen, schönen Hauptdarsteller, sondern erst zwei Randfiguren. Paul Bettany sorgt als Dichter mit komödiantischem Talent für markige Sprüche, und Laura Fraser ist als Schmiedin Kate auch in ihrer bescheidenen Nebenrolle anmutiger als die Hauptfigur.
Leif Kramp, AP










